Natur- und Heimatfreunde Rabenau e.V.

Vom sagenumwobenen unterirdischen Gang zur Rabenauer Mühle

Im Keller der Rabenauer Mühle befindet sich ein Gewölbe, auf das man bei den Renovierungsarbeiten der Toilettenanlage in Vorbereitung der Weltmeisterschaft im Wildwasserrennen und Kanuslalom im Jahre 1961 stieß. Aus Mangel an Zeit ließ man es zunächst unberührt, wollte später Nachforschungen anstellen. Das dauerte.

Erst 1975, also 14 Jahre später unternahmen 3 Männer der Höhlenforschergruppe Dresden namens Wolfgang Schumann, Jensch und Rüssel sowie der damalige Naturschutzbeauftragte der Stadt Rabenau Günter Käsemodel den Einstieg. Letztgenannter berichtete in einem Presseartikel der Sächsischen Zeitung 1975:

Der Einstieg erfolgte durch ein Loch, das die Höhlenforscher nach Abklopfen der Wand in die Mauer schlugen. Durch diese schmale Öffnung gelangten wir in einen etwa 4 m langen Gang aus Gneisbruchsteinen mit Tonnengewölbe. Meterlange Wurzeln drangen vom First bis fast zur Sohle. Der Gang mündet in einem 4 qm großen Raum, ebenfalls aus Gneisbruchstein mit gelblichweißen Kalkbruchstein. Wie riesige Makaroni hängen Tropfsteingebilde von der Decke. Ein Torbogen zeichnet sich ab, in dem ursprünglich eine Tür mit schmiedeeisernen Anschlägen eingefügt war. Ein weiterer Raum tut sich auf, 8 qm groß, die Wände aus sauber behauenen Sandsteinquadern. Oberhalb einer Aussparung entziffern wir mühsam 2 eingehauene fast verblichene Jahreszahlen, 1743 und 1874. Auf den nach oben führenden Licht- und Luftschächten türmt sich Geröll. Auf dem ebenfalls mit Sandstein ausgelegten Fußboden lagern Skelette etlicher Kleintiere, ein paar Schuhe stehen herum – uralt und zerfallen. Einige Spinnen und Schnecken, die ob der Lichtlosigkeit farblos wirken, sind hier das einzige Leben.

Trotz weiterer Untersuchungen steht bald fest: hier geht es nicht weiter. Ein Gefäß mit den Namen der vier wird zurückgelassen. Man befand sich wohl in den Lagerräumen der 1488 erstmals urkundlich erwähnten Großen Mühle, die in der Folge mehrmals abgebrannt war.

Konrad Grüttner, der Rabenauer Chronist schreibt 1962 in einem Artikel zur Verbindung Rabenauer Burg – Rabenauer Mühle folgendes:

„Dass ein ein Stollen von der Rabenauer Burg zur Rabenauer Mühle gezogen worden sein soll, ist völlig unwahrscheinlich. Die Anlage hätte ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden gehabt (500 m Felsenstrecke, Unterführung der Weißeritz, dann wiederum 40 m Steigung) und große Kosten verursacht, die durch keine wehrstrategischen Vorteile für die Burgbewohner aufgewogen worden wären. Der 1960 bei Renovierungsarbeiten geöffnete Hohlraum neben der (damaligen) HO-Gaststätte Rabenauer Mühle hat mit der Burg gar nichts zu tun und auch nichts Geheimnisvolles an sich. Er ist der Kellerraum, der sich unter dem Wohn- und Mahlhause des einstigen Mühlenhofes befand. Nach dem Mühlenbrand 1868 wurde nämlich das neue Gasthaus etwa auf dem Platze des ehemaligen Seitengebäudes der

Mühle errichtet. Da man nun den alten, etwas seitwärts liegenden Keller nicht mehr brauchte, ihn aber auch nicht zuschütten wollte, vermauerte man den Zugang…“.

Im Museum der Stadt befinden sich maßstabgerechte Modelle der 1868 abgebrannten alten Mühlenanlage, gefertigt vom Rabenauer Heimatforscher und Modellbauer Ortwin Wolf. Dort ist deutlich zu sehen, dass der Standort der Mühle einst ein wenig anders zur Roten Weißeritz lag als der des heutigen Gebäudes.

Bei der vor etlichen Jahren durchgeführten Neugestaltung des Hofes der heutigen Mühle, so erzählt der jetzige Betreiber Bert Schumann, hat man wieder in eines der Gewölbe hinabgeschaut, vermutlich in das hintere mit den beiden Lichtschächten. Die Anlage wurde erhalten, die Schächte mit stählernen Abdeckplatten verschlossen und der Mühlenhof gepflastert. Damit kann man das Gewölbe jederzeit erneut öffnen.

Die Sage, dass ein unterirdischer Gang von der Rabenauer Burg bis zur Rabenauer Mühle geführt haben soll, hat mit dem Vorhandensein dieses Kellergewölbes aber wohl so gar nichts gemein.

Kerstin Lißke, Herbst 2025